Inklusion

Deutschland legt sich quer:

Bund und Länder widersprechen der Auslegung von inklusiver Bildung durch den UN-Fachausschuss

04.02.2016-(Brigitte Schumann) Der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) hat unter der Bezeichnung "Draft General Comment on Article 24" einen Kommentar zu Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention im Entwurf vorgelegt und die Diskussion darüber eröffnet. Der Kommentar will das menschenrechtsbasierte Verständnis von "inclusive education" rechtlich normieren. ...

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... auf Niedersächsisch

Fast 7 Jahre ...

sind seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch Bundestag und Bundesrat (2009) vergangen, mit der auch Niedersachsen verpflichtet ist, ein inklusives Bildungssystem zu schaffen.

3 Jahre ...

brauchte die damalige Landesregierung, um eine bescheidene Änderung des Schulgesetzes (Juli 2012) zu beschließen, nach dem nun alle Schulen ( zunächst formal ) inklusive Schulen (Nds. SchG § 4 ) sind. An den Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen werden aufsteigend in der Primarstufe ab dem Schuljahr 2013/2014 keine Schülerinnen und Schüler mehr aufgenommen.

Ende des Jahres 2014 ...

legte das Kultusministerium dazu den Entwurf einer Organisationsstruktur der „Regionalstelle für schulische Inklusion“ (ReschI) vor. Es hagelte Proteste; viele Kollegien, die Verbände und auch die GEW hielten diesen Entwurf für wenig geeignet, den Prozess der Entwicklung hin zu inklusiven Schulen in den Kommunen und ihren Schulen sinnvoll und effektiv zu begleiten. Dabei war und ist es unstrittig, dass es neben inhaltlichen, schulstrukturellen und personellen Voraussetzungen der schulischen Inklusion unbedingt auch einer Koordinierung und Steuerung des (sicher jahrelangen) Entwicklungsprozesses durch eine kompetente Institution bedarf.

Insgesamt 2 Jahre ...

brauchte die neue Rot-Grüne Landesregierung für eine Schulgesetznovellierung zur Einführung der inklusiven Schule in Niedersachsen. Nun ist gesetzlich geregelt, dass die Förderschulen Lernen aufsteigend auslaufen. Förderschulen sind gegliedert nach den Förderschwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Sehen und Hören (Nds. SchG § 14 (2)). Für den Förderschwerpunkt Sprache gibt es einen Bestandsschutz für die neun Förderschulen sowie für die Sprachförderklassen an 53 Standorten in Niedersachsen. Jede Förderschule ist weiterhin ein Förderzentrum (Nds. SchG § 14 (3)). „Für die Sicherstellung und die Beratung sowie einer bedarfsgerechten Zuweisung der sonderpädagogischen Ressourcen für die allgemeinen inklusiven Schulen sind späterhin und untergesetzlich „Regionalstellen für schulische Inklusion (ReschI)“ einzuführen. Diese sollen organisatorisch an die Landesschulbehörde angegliedert werden“. (Zitat aus den Erläuterungen des Kultusministeriums zur Schulgesetznovelle 2/2015)

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Studie zur inklusiven Schule

Das Institut für Sonderpädagogik der Universität Hannover wird in Abstimmung und Kooperation mit dem Kultusministerium bis Ende 2017 ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt zur inklusiven Schule durchführen. Ziel ist es, die Gelingensbedingungen, Herausforderungen und Perspektiven für die Weiterentwicklung der inklusiven Schule an den niedersächsischen Grundschulen und Förderzentren zu entwickeln.

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UN-Behindertenrechtskonvention

Die integrative Erziehung und Bildung ist eine langjährige und zentrale bildungspolitische Forderung der GEW. Inzwischen wird verstärkt der Begriff der INKLUSION, die Forderung nach “inklusiver” Pädagogik, diskutiert. Auf dieser und der Unterseite UN-BEHINDERTENRECHTSKONVENTION (UN-BRK) sowie im ARCHIV werden einige Wegmarken in der Beschlussfassung der GEW, Materialien und Positionspapiere zum “gemeinsamen Lernen” bereitgestellt sowie aktuelle bildungspolitische Auseinandersetzungen vorgestellt.

Weitere Informationen

Zum Begriff “Inklusion”

“... Inklusion bedeutet weit mehr, als dem Schulgesetz und den ergänzenden Informationen des Landes und des Kultusministeriums zu entnehmen ist. Es geht um die gleichberechtigte, barriere- und diskriminierungsfreie Teilhabe aller Menschen. An Schulen sind dies Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und viele andere Beteiligte, die sich nicht nur durch das Vorliegen einer Beeinträchtigung voneinander unterscheiden, sondern durch viele weitere Merkmale der kulturellen, sprachlichen und ethnischen Herkunft, Nationalität, dem Lebensstil, der sexuellen Orientierung, dem Familienstand und dem sozio-ökonomischen Status, sowie dem Alter, Geschlecht, Lern- und Arbeitsstil, Leistungsniveau und den persönlichen Interessen. Letztlich ist Inklusion auch keine alleine auf die Schule bezogenen Vision, sondern ein umfassender Gesellschaftsentwurf, der auch alle anderen Lebensbereiche betrifft, wie Arbeit, Wohnen, Freizeit, Mobilität oder Tourismus. ...”

Holger Lindemann (Hrsg.): Wir machen Schule. Eine Stadt auf dem Weg zur Inklusion; Beltz Verlag, Weinheim und Basel 2014; S. 5

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Beschluss der Delegiertenkonferenz der Landesfachgruppe Sonderpädagogik im November 2014

Alle Gliederungen der GEW verpflichten sich, bei allen von ihnen durchgeführten Veranstaltungen die in der UN-Konvention über die Rechte von Behinderten in Artikel 8 aufgeführten Ziele zur Bewusstseinsbildung umzusetzen.

Insbesondere verpflichten sie sich, in der GEW

  • das Bewusstsein für Menschen mit Behinderungen zu schärfen und die Achtung ihrer Rechte und ihrer Würde zu fördern,
  • Klischees, Vorurteile und schädliche Praktiken gegenüber Menschen mit Behinderungen, einschließlich aufgrund des Geschlechts und des Alters, in allen Lebensbereichen zu bekämpfen,
  • das Bewusstsein für die Fähigkeiten und den Beitrag von Menschen mit Behinderungen zu fördern,
  • Planungen und Durchführungen von Veranstaltungen, als auch Konzepte und Stellungnahmen daraufhin zu überprüfen, ob die gleichberechtigte, barrierefreie Teilhabe von Menschen mit Behinderungen gewährleistet ist.